47 Minuten und 11 Sekunden im Leben der Marie Bender, Roman

 

„Natürlich habe ich mich bereits mit dem Verfassen des ersten Entwurfes der Marie Bender oft gefragt, wo die Hoffnung bleibt in dieser Geschichte. Eine vage Antwort wäre, dass es nur einen Hoffnungsschimmer gibt in dieser Geschichte - gerichtet an die Leserschaft: die Realität anders zu leben als es die Romanfiguren tun. Darüber hinaus ist da wirklich kein Funken Hoffnung in der Geschichte, das ist wahr.“ (Rainer Juriatti)

Die Zeit zwischen Kindheit und Erwachsenwerden. Verzweiflungszeit vieler Eltern. Marie Bender beendet ihre Kindheit abrupt. Nach einem Streit verschwindet sie drei Tage. Kehrt zurück, verschwindet, kehrt zurück. Trifft Menschen, die Einfluss auf sie haben. Wird schwanger. An mancher Abzweigung nimmt sie den falschen Weg. Muss mit behördlicher Auflage in eine Beratungsstelle gehen. Eines Tages will sie mit ihrem kleinen Sohn ohne elterliche Fürsorge leben. Endgültig. Zu einem Zeitpunkt, da sie längst schwer suchterkrankt ist. Als eines Nachts ihr Freund auf ihr liegt und sie nicht weiß, wie er dort hingekommen ist, erkennt sie, dass sie etwas unternehmen muss. Marie nimmt die Gespräche mit einem Sozialberater wieder auf.
Virtuos gelingt es Rainer Juriatti in seinem Erstling, verschiedene Erinnerungsstufen und innere Monologe, Briefe und Fragmente in knapper, prägnanter Sprache ohne belehrende Töne aufgehen zu lassen.
Realitätsnah werden in Echtzeit 47 Minuten und 11 Sekunden aus dem Leben der Marie Bender erzählt. Diese Ebene verflicht der Autor mit Briefen der Eltern, mit denen Marie nicht mehr spricht, und den Gesprächen mit dem Berater, die jedoch erst „später, viel später“ geführt werden. Marie liebt ihren Sohn Leo, und doch: die Schlinge der Abhängigkeit wird enger. Schafft sie schließlich den Weg zurück zu ihrem Kind?

47 Minuten und 11 Sekunden im Leben der Marie Bender
ISBN: 978-3-7013-1140-8
154 Seiten
Hardcover, Schutzumschlag, gebunden
Preis: € 17,00 / CHF 24,50 fPr

Rezensionen

Ein konzises, konsequentes Protokoll einer tragischen Existenz. Ein durch seine Lakonie und Sachlichkeit, seine knappe und scharfe, filmschnittartige Abfolge erschütterndes und überzeugendes Porträt einer allmählichen Selbstzerstörung.
(Georg Pichler in "Die Presse")

Rasche Schnitte, kurze, bildhafte Sequenzen, Wechsel der Erzählperspektive und Rückblenden sorgen für ein rasantes Tempo und sprechen vor allem ein junges Lesepublikum an. Juriatti hat ein Buch geschrieben, dass sich einem nach wie vor wichtigem, mitunter tabuisiertem Thema annimmt und in seiner Realitätsnähe überzeugt. Allen Bibliotheken zu empfehlen, vor allem junge LeserInnen ab 16 werden von der Lektüre in den Bann gezogen werden und zugleich zutiefst betroffen sein.
(Cornelia Gstöttinger auf biblio.at)

In diesem Roman gibt es nichts zu lachen, man kann sich als Leser höchstens daran aufrichten, dass es auch in der vertracktesten Situation noch Profis gibt, die dem ganzen wenigstens eine Beschreibung zukommen lassen.
(Helmuth Schönauer auf lesen.tibs.at)

Rainer Juriatti spricht klar, sehr klar. In "47 Minuten und 11 Sekunden im Leben der Marie Bender" spricht er vor allem über eines, eine verlorene Kindheit. Diese Kindheit geht, wie man schnell herausfindet, durch falsche Entscheidungen und den Einfluss von Drogen und Freunden verloren. Während "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" eine ähnliche Geschichte aus Sicht der Betroffenen erzählt, schafft es Juriatti in diesem Buch, auch die Perspektive der Eltern und der Betreuer darzustellen. Dies macht dieses Buch so reizvoll. Zudem gelingt es Juriatti dank seiner überaus klaren Ausdrucksweise, den Leser auf das Wichtige zu fokussieren. Damit schafft er es, das Buch sowohl bedrückend als auch spannend zu halten. Trotz der durchaus tristen Situation ist die Geschichte der Marie Bender eine Geschichte, die man nicht aus der Hand, legt bis sie zu Ende ist.
(Renton Marc auf Amazon)

Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen (an einem Nachmittag durchgelesen weil ich es nicht weglegen konnte). Es beschreibt die Geschichte einer jungen drogenabhängigen Frau. Es werden 47 Minuten und 11 Sekunden ihres Lebens erzählt und in dazwischen erfährt man etwas aus ihrer Zeit vor diesen 47 min. Es hat mich sehr berührt und ich kann es nur weiter empfehlen.
(LJ auf lovelybooks.de)