26. November 2017 - 2 Kommentare

Als Gast gegrillt – Teil 1

Als Gast gegrillt
Unterweg mit dem Genusspass. Teil 1
Rainer Juriatti

36 gute Restaurants umfasst der steirisch-kärntnerische Genusspass. Für vier Bons zahlen Interessierte 64 Euro. Macht 16 Euro für ein „Probemenü“. Kein allzu großes Risiko für Gourmets, die neue kulinarische Genüsse testen möchten und interessiert daran sind, ihren Horizont zu erweitern. So weit die Vision. Denn exakt dieses Ziel verfolgt der Anbieter des Gutscheinheftes: Die Kleine Zeitung sagt, die Aktion ermögliche es, gute Restaurants kennen zu lernen. Das wollten wir. Und kauften vier Hefte. Zwei davon haben wir inzwischen verbraucht. Ein Zwischenbericht.

Wir kochen selbst. Wir kochen gerne. Wir kochen oft. Wir probieren ständig Neues aus. Und: Wir gehen gerne gut essen, der Preis ist uns dabei ziemlich egal. So schien der Genusspass wie gemacht für uns: Restaurants testen, Neues kennen lernen. Doch leider wurden wir enttäuscht. Eher lernten wir die dunkle Seite der Gastronomie kennen. 

Erste Station: Lorenzhof bei Weinitzen

Gemeinsam mit unserem Sohn Tonio, einem inzwischen online etablierten modernen Koch (tjuriatti auf Instagram), und seiner Freundin Sandra fuhren wir zum Lorenzhof in Weinitzen. 

Als wir das romantisch gelegene Haus betraten, staunte ich über das schöne Restaurant. Mein Herz schlug höher und wurde enttäuscht: Denn dort durften wir nicht sitzen. Wir wurden in einen kleinen Nebenraum geführt, ich nehme an, die After-Work-Stube. Unser Tisch wirkte „beigestellt“, mein Stuhl aus einem anderen Jahrhundert. Ich saß in eine Ecke gepfercht, fühlte mich unwohl. An einem weiteren Tisch saßen (legitimer und willkommener Weise) ein paar Arbeiter bei einem Bier, am Nebentisch nahmen bald nach uns andere Genusspass-Gäste Platz.

Ein junges Mädchen fragte, ob es Unverträglichkeiten gebe. Sie hörte, Pfeffer und Chili seien bei meinem Sohn und mir nicht gefragt. Bald darauf wurde der erste Gang serviert: Eine Kürbis-Kokos-Suppe. Bereits meine Nase verriet: Chili. Und davon nicht zu wenig. Auch unsere Tischdamen meinten, es sei „an der Grenze“ für sie, kaum zu essen. Ich ließ die Suppe stehen, mein Sohn bemühte sich, gab aber nach wenigen Löffeln auf. Eine weitere Dame kümmerte sich nun um uns und servierte alternativ – löblich – Ziegenkäse (den mein Sohn nicht isst, doch mangels der Nachfrage konnten die Damen das nicht wissen).

So hatten wir den ganzen Abend hindurch das Gefühl, als recht „nebensächlich“ behandelt zu werden. Die beiden Damen vermittelten in ihrer Knappheit, eher lästig zu sein denn eine Freude. Der Hauptgang, ein heimischer Fisch, schmeckte wunderbar und so waren wir uns einig: Tolle Küche. Wirklich tolle Küche. Die Restaurantbetreiber, vermuten wir, müssen mit „Schnäppchenjägern“ schlechte Erfahrungen gemacht haben und ließen diese Erfahrungen an uns aus.

Wenn auch viele andere schreiben, der Lorenzhof sei in seiner "Performance" beeindruckend, so hat das Restaurant mit seinem Gutscheinangebot bei uns ins Leere geschossen: Da Gastronomie aus Küche und Service gebaut ist, waren wir uns einig, dass wir eher nicht mehr kommen, um uns dürftig behandeln zu lassen und mit dem Gefühl nach Hause fahren zu müssen, zu den "Schnäppchenjägern" zu gehören.

Zweite Station: Schlosswirt Kornberg bei Feldbach

Gemeinsam mit unserer Tochter Chiara und ihrem Freund Karl fuhren wir nach Feldbach, schraubten uns hoch zum Schloss, genossen den Adventmarkt und einen wunderbaren Glühwein am Verkaufspult des Schlosswirts, bei dem wir bald zu Tisch sitzen würden. Inzwischen ließen wir uns von den Angeboten der adventlichen Ausstellungsräume verführen und kauften regionale Produkte, allesamt kleine Geschenke zur Weihnacht.

Eine Stunde darauf nahmen wir in der Schlossstube Platz. Eine freundliche Dame begrüßte uns und erklärt, dass für Genusspass-Gäste ein Menü vorgesehen sei. Allerdings könnten wir auch à la carte essen, womit uns 12 Euro gutgerechnet würden. Meine Tischbegleiter wählten das Menü. Ich selbst musste darauf verzichten. Auf Nachfrage nämlich erklärte die Frau, sowohl in der Vorspeise als auch dem Hauptgang sei mit Pfeffer gewürzt worden. Den vertrage ich nicht.

Sie machte kein Angebot. Zeigte keinerlei Ambition, mein Problem zu lösen. Also war ich gezwungen, ein Gericht aus der Karte zu wählen. Auch die Kombination von „Menü“ und pfefferfreien Alternativen wurde verneint, somit auch eine alternative Vorspeise. Meine Tischpartner bekamen eine Kürbissuppe serviert, dann einen Rostbraten mit Schwammerln. Als Dessert wurde mit einer Kardinalschnitte aufgewartet, einer halben. An diesem Punkt geriet mein Lächeln über die Blamage zum ausgewachsenen Lachen. Am Nebentisch wurde gleichzeitig ein herrliches Mousse serviert. Am Nebentisch fanden sich auch goldene Platzteller. Am Nebentisch saßen halt auch „normale Gäste“.

HaubenRechnung

Mein Gutschein hat 16 Euro gekostet, angerechnet wurden 12. Die Vorspeise, ein einfacher, geschmackloser Blattsalat (weitab einer Haubenküche), kostete 4,50 Euro. Das Hauptgericht, ein Butterfisch mit zu Tode gerösteten Gnocchi, war ok (aber immer noch weit von einer Haubenküche entfernt), und schlug mit 24,50 Euro zu Buche. Auf das Dessert verzichtete ich gerne, die halbe Kardinalschnitte muss als Haubenkochwitz gedacht gewesen sein.

Auf der Rechnung fand sich – wie im Genusspass angekündigt – die Position „10 Euro Gedeck“. Somit habe ich für meine (mittelmäßig zubereitete) Hauptspeise mit begleitendem (armseligem aber durchaus billigem) Blattsalat 35,50 Euro bezahlt (2,50 Euro Gedeck, 4,50 Euro Salat, 24,50 Euro für den Fisch, 16 Euro für den Gutschein, abzüglich 12 Euro, die mir angerechnet wurden).

Als wir gingen, holte ich die Mäntel. Die freundliche Servicedame schaute mir dabei zu. Erst, als wir an der Tür waren, rief sie uns nach: Auf Wiedersehen. Nein, leider nicht, dachte ich.

Angebot überdenken

Betriebe, die am Genusspass teilnehmen, sollten sich ernsthaft Gedanken machen: Unter 36 Anbietern werden sie gewählt. Die Gäste machen sich auf die Reise zu ihnen. Menschen mit wenig Geld freuen sich, ein Mal vielleicht in eine gute Küche schnuppern zu dürfen. Menschen, die sich einen „normalen“ Besuch auch leisten könnten, testen sie aus. Jeder Gast ist es wert, freundlich und zuvorkommend behandelt zu werden: Er ist und bleibt die beste „Werbemaschine“.

Der erste Betrieb unserer kleinen Tour behandelte uns wie Abschaum, der seine Küche und sein Können entweiht (leider, so haben wir uns behandelt gefühlt). Der zweite Betrieb versuchte, doch noch ein kurzfristiges (kurzsichtiges) Geschäft daraus zu machen: Hier fühlte besonders ich mich erneut recht schäbig behandelt.

Bleibt abzuwarten, wie die anderen Betriebe reagieren. Unsere Tour sieht zwei weitere Besuche vor.

Hier finden Sie Blogbeiträge über gelungene Gastro-Reisen:

Hotel Rote Wand, Zug bei Lech
Beef and Bar, Fronleiten
Hotel Klosterbräu, Seefeld
Romantikhotel Schiff, Hittisau

Veröffentlicht von: Rainer Juriatti in Kulinarik, KulinarikBlog

Kommentare

Schlosswirt Kornberg
29. November 2017 um 20:56

Guten Tag Herr Juriatti

Herzlichen Dank für Ihr Feedback.
Ja Sie haben vollkommen recht ob wir beim Genusspass mitmachen sollten!?

Hier wurden wir leider Falsch in Kenntnis gesetzt was unsere Vergütungen angeht, Sie haben € 16,– bezahlt, wir bekommen natürlich weniger da ja auch die Kleine Zeitung hier profitieren möchte,
Wir sind sicher das man ein Essen in einem Haubenlokal nicht so herabsetzen muss und sind überzeugt das unsere Leistung dem Wert des Gutscheines bei weitem übertrifft. Weiters sind wir froh diese im Dezember nicht mehr annehmen zu müssen und durch die Schliessung im Januar und Februar des Schlosses dieses Grauen endlich vorbei ist.

Wir können Ihnen versichern das es auch uns sehr leid tut das Sie leider keine bessere Qualität zu Schleuderpreisen erfahren durften.
Aber aus ausgebildeter Gastronom wissen Sie sicherlich was um € 12,– in einem Haubenlokal möglich ist.

Für Fragen und Auskünfte stehen wir Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
Rupert Bruchmann

Rainer Juriatti
3. Februar 2018 um 09:11

Genusspass – Frühling 2018 – Der Schlosswirt ist wieder dabei.

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