23. Februar 2019 - Keine Kommentare!

Die Präpotenz des Wanderers

Die Präpotenz des Wanderers
Rainer Juriatti

Täglich verbringen tausende Rinder ihren Tag auf einer der Autobahnen in Europa. Sie werden von A nach B gekarrt, um geschlachtet und von uns gegessen zu werden. Studien belegen, dass jährlich auch tausende trächtige Kühe transportiert und geschlachtet werden. Dazu bestehen sogar eigene Vorschriften, wie dies zu bewerkstelligen sei.

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16. Dezember 2018 - Keine Kommentare!

Wir Steirer

Wir Steirer
Rainer Juriatti

Vor wenigen Tagen flatterte sie erneut in unser Haus, die Qualitätszeitung der Freiheitlichen Partei Steiermark namens “Wir Steirer”. Ich würde gerne schreiben, ich hätte mich in Vorfreude auf geistige Tiefflüge darin vertieft. Nein, dem ist nicht so, denn sofort wurde mir klar, dass die redaktionellen Glanzleistungen sehr bewusst zu dieser Zeit versandt werden: in den Tagen vor einem unserer wichtigsten christlichen Feiertage.

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12. Dezember 2018 - 1 Kommentar.

Achtung, Afghane!

Achtung, Afghane!
Lesung aus Anlass des Internationalen Tages der Menschenrechte 2018
verfasst auf Einladung der Antidiskriminierungsstelle Steiermark
ungekürzte Originalfassung
Rainer Juriatti

„Ich bin deutscher Reichsbürger und Germane bis ins Blut.
Meine Ehre und Treue zu unserem Vaterland soll ewig leben.
88, Schwarz-Weiß-Rot, bis in den Tod.“

An diesem – auf einer online-Plattform veröffentlichten – Dreizeiler musste ich arbeiten. Um ihn in eine einigermaßen verständliche Form zu bringen: Grammatik erbärmlich, Syntax katastrophal, Aussage: vernichtend.

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5. August 2018 - 4 Kommentare

Willkommen im Analogen

Willkommen im Analogen
Rainer Juriatti

Es ist schlichtweg nichts Neues. Geräte wie der Laptop und das I-Phone haben mich fest im Griff. In zweierlei Hinsicht geht es seit einigen Monaten jedoch zu weit: Zum einen gilt 24/7, will heißen, jedermann ruft mich jederzeit an, schreibt mir nachts um 3 Uhr Mails, die am Morgen von mir bearbeitet werden sollen, und melde ich mich ein Mal sechs Stunden nicht, werde ich gefragt, wo ich war. Zum anderen erdreisten sich Menschen auf Facebook permanent, Drohungen auszusprechen, sofern man in Kommentaren ausdrückt, nicht ihrer politischen Meinung zu sein. Wozu eigentlich? habe ich mich lange schon gefragt. Oder anders ausgedrückt: Plötzlich wurde es mir zu viel, ich mochte nicht mehr. Und da Viktor Frankl sagt, man solle drei Tage schweigen, um (wieder) zu wissen, worauf es wirklich ankomme, folgte ich seinem Rat.

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13. Juni 2018 - Keine Kommentare!

Die Verdichtung des Woher

Die Verdichtung des Woher
Rainer Juriatti

Alles ist umgebaut, alles ist neu. Die Schnellstraße taucht ein in einen kurvigen Tunnel, schießt auf einen hell erleuchteten unterirdischen Kreisverkehr zu, schwingt nach rechts einen Hügel hoch und spuckt dich in der Stadt aus. In Algund, einem Randbezirk Merans. Zwei Kurven weiter: Backflash.

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18. März 2018 - 1 Kommentar.

Die Abwesenheit des Glücks

Die Abwesenheit des Glücks. Ein erster Textauszug.
Rainer Juriatti

In wenigen Wochen erscheint das wohl wichtigste und – im Sinne dessen, was ich schon als junger Mann meinte, unbedingt schreiben zu wollen – längst andauernde Buch. Nicht weniger als 20 Jahre sind seit den ersten Entwürfen vergangen. Nun ist das Lektorat abgeschlossen. Hier die Eröffnung, die ersten zwei Seiten:

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31. Dezember 2017 - Keine Kommentare!

Das Jahr, in dem sie das Geschlecht abschafften

Das Jahr, in dem sie das Geschlecht abschafften
Rainer Juriatti

In der Volksschule des schwedischen Egalia benennen Erwachsene alle Kinder geschlechtsneutral. Pronomen wie er und sie wurden abgeschafft. Die schwedische Sprache bietet hier eine Alternative, den geschlechtsneutralen Kunstbegriff „hen“, zusammengebaut aus „han“ und „hon“, also  er und sie. Bei uns wäre das es. Dabei klingt geschlechtsfreie Sprache wie ein Filmzitat aus „Schweigen der Lämmer“: Wenn ein Lehrer zu einem Schüler sagt, „es komme bitte an die Tafel“, „es ziehe die Schuhe aus“, „es sei jetzt brav und creme sich mit dieser Lotion ein“.

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7. Dezember 2017 - Keine Kommentare!

Jeder hat im Stall nicht Platz

Jeder hat im Stall nicht Platz
Rainer Juriatti

Während ich an einem Sauerampferhalm kaue, höre ich den Hirten brüllen. Er schreit ja oft. Brüllt uns an, wohin wir gehen sollen. Brüllt uns an, wohin wir nicht gehen sollen. Brüllt, wenn wir in den Stall sollen und brüllt, wenn wir raus müssen. Er brüllt auch, wenn wir Sauerampfer fressen. Und brüllt, wenn wir vor Bauchweh blöken. Unser Hirte brüllt besonders laut, wenn zu viele Schafsböcke an einer Stelle stehen. Manchmal stehen wir halt gerne eng. Wenn’s kalt ist und der Hirte uns das Fell abgezogen hat, also ich meine, wenn wir frisch geschert in die Kälte gehetzt werden. Aber dann brüllt der Hirte, wir sollen uns nicht versündigen.

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