23. Februar 2019 - Keine Kommentare!

Die Präpotenz des Wanderers

Die Präpotenz des Wanderers
Rainer Juriatti

Täglich verbringen tausende Rinder ihren Tag auf einer der Autobahnen in Europa. Sie werden von A nach B gekarrt, um geschlachtet und von uns gegessen zu werden. Studien belegen, dass jährlich auch tausende trächtige Kühe transportiert und geschlachtet werden. Dazu bestehen sogar eigene Vorschriften, wie dies zu bewerkstelligen sei.

Täglich verbringen zehntausende Rinder auf jenen wenigen Mindestquadratmetern, die sie benötigen, um zu stehen oder zu liegen. Dort werden Mutterkühe besamt und bringen ihre Kälber zur Welt, die fünf Wochen später geschlachtet und von uns gegessen werden. Das einzige, was sie je zu Gesicht bekommen, das ist der Typ, der sie füttert und der, der sie dann schlachtet. Aus dem Horn von Mutterkühen werden schmucke Souvenirs für Touristen gefertigt, die sie sich dann um den Hals hängen oder als Kelche in ihre idyllischen Gartenlauben.

Täglich durchwandern tausende Touristen die Berge Österreichs, genießen die Bergseen, die Wildbäche und schwindelerregenden Panoramaszenarien. Sie sehen die Hinweisschilder unserer Bergbauern und Almbewirtschafter nicht. Oder sie sehen sie und missachten die Warnhinweise. Weil Kühe ja keine Stiere in einer Arena sind. Weil Kühe ja gegessen werden und nicht umgekehrt. Weil Mutterkühe keine Gefühle und Instinkte haben, wodurch sie ihre Kälber beschützen. Und sollte ein Zaun im Weg stehen, dann steigen die munteren Touristen drüber. Weil die Alm des Bergbauern, das ist jetzt ihre Alm. Und vor ihre Hündchen stellen sie sich, sofern eine Kuh sich erdreistet, zu nahe zu treten.

Touristen, seien es einheimische oder fremdländische, sind in ihrer Präpotenz nicht zu bremsen. Allein unsere Bauern, eine finanziell sterbende Zunft, wird mit dem jüngst gefällten Urteil endgültig ausgebremst. Sie werden aufhören, ihre Kühe auf eine Alm zu bringen, schon gar nicht Mutterkühe. Die bleiben dann im Stall, oder besser noch, sie werden gleich trächtig geschlachtet. Und mit dem Ende des Bergbauerntums, mit dem Ende der Almwirtschaft, stirbt die Qualität der österreichischen Landwirtschaft, sterben die Almen, stirbt die Pflege unserer Berge, stirbt sämtliche wichtige Basis, um präpotente Touristen vor Schneelawinen und Murenabgängen zu schützen.

Veröffentlicht von: Rainer Juriatti in Text

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