23. Februar 2019 - Keine Kommentare!

Die Wacht der Vegetarierin

Die Wacht der Vegetarierin
Rainer Juriatti

Ein halbes Jahr nun war sie nicht da. Ein langes halbes Jahr, so habe ich es empfunden. Chiara Juriatti ist aus Belgien zurückgekehrt. Natürlich wollten wir für unsere Tochter kochen, etwas Besonderes sollte es sein. Etwas, das sie auch annehmen kann. Chiara lebt weitreichend vegetarisch und “maximalumweltbewusst”..

Ein langes halbes Jahr haben wir hinter uns. Ein halbes Jahr auch, in dem kein Wächter in unserem Haus wohnte: Kein Fleisch essen (da wir damit die seit Jahrzehnten bekannte Industrialisierung des Tieres fördern), keine billigen Klamotten kaufen (da wir damit – sei es direkt oder auf Umwegen – Kinderarbeit in Bangladesh finanzieren (ich lebe gerade im Selbstversuch, ein Jahr lang gar keine Klamotten zu kaufen)), beim Schuhkauf auf die Lederlieferanten achten (da wir durch den Schuhkauf beides fördern: die Ausbeutung der Kinder und die pakistanische Abschlachtung heiliger indischer Kühe), kein Wasch-Shampoo verwenden (klar, Plastikverseuchung der Weltmeere und Tierversuche), und so wenig wie möglich Auto fahren (klar, CO2, Öl, Feinstaub (sind die Sitzbezüge und Lenkräder mit Leder bezogen, auch hier: abgeschlachtete indische Kühe) u.v.m.).

Die Wächterin ist zurück. Wir sind glücklich, nicht aus Gründen der Wacht. Und so haben wir für sie gekocht. Steirische Rote Rüben, steirischer Feldsalat (dazu selbst gebackenes Brot von Tonio Juriatti, grandios!), eigene Schwammerl aus dem Tiefkühler, ein paar Reste altes Weißbrot in Form von Knödeln, eine Sachertorte mit heimischer Butter und Eiern vom Bauernmarkt. Sie hat es gegessen, fein.

Und auch, als Chiara nicht bei uns wohnte, haben wir permanent an all das hier Notierte gedacht. Wir lernen von unseren Kindern, gewiss.

Veröffentlicht von: Rainer Juriatti in Kulinarik, KulinarikBlog

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