12. Februar 2017 - 3 Kommentare

Entdeckung im Souterrain

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Entdeckung im Souterrain
Rainer Juriatti

25 Minuten sitzen wir im Zug. Von Graz nach Frohnleiten ist es ein Katzensprung. Der Ort in der Enge des Murtales schmiegt sich an Felswände und wartet an einem wolkenverhangenen Samstag mit beschaulichen Gassen auf. Was sonst könnte man tun an so einem Tag? Also: Eine Runde drehen. Wenn wir Glück haben, lachen wir lästernd, dann hat sogar ein Beisl offen. – Offen standen am Ende unsere Kinnladen.

Sie liegt im Souterrain. Ihre Decken hängen voller Überraschungen. Alles hier wurde vom Chef selbst zusammengetragen, wurde akribisch in Komposition gebracht. So werden Flohmärkte zum Designprojekt. Sofort fühlten wir uns an die hippen Szenelokale in Berlin erinnert, schlagartig sahen wir uns in eine der literarischen Höhlen nach Wien versetzt. Kaffeekannen, alte Industriehallen- oder Bahnhofsleuchten, Kupferpfannen und alles, was eine Küche so braucht, baumelt von der alten, gebürsteten (?) Decke des Gastlokales. Dazu: Stahl, roh bearbeitet oder glanzpoliert, je nach Verwendung. Das dem Feuer entwachsene Erz ummantelt einen alten Holzofen und eines der auch käuflich erwerbbaren Keramik "Eggs", in denen geräuchert und gegrillt wird. Mitten im Gastraum der Frohnleitner Beef-Bar von Johann Sorian: Feuer. An dem vor unseren Augen gegrillt und gekocht wird. Chef's Table sozusagen, von Mittwoch bis Samstag.

Die Ergebnisse auf dem Teller sind wunderbar: Beef in Burgern, für die man weit fahren muss; "salted"-beef-Teller, die man so noch nie gegessen hat und hier unfassbar traumhaft umgesetzt wurden; dry aged Rib eye Steaks, die perfekt gegrillt auf dem Teller landen.

Die Beef-Bar Frohnleiten ist jede Sekunde der kurzen Zugfahrt wert. Der Chef selbst hat hier alles zusammengetragen, eingerichtet und nach monatelangen Versuchsstrecken kulinarisch umgesetzt. Leider ist er an diesem kalten Wintersamstag nicht persönlich da, um ihm zu gratulieren. Auch für seine zwei Mitarbeiter: Die beiden "Jungs" an Grill und Tisch sind derart sympathisch, dass man allein ihretwegen wiederkommen muss.

Frohnleiten: Als fahre man kurz nach Berlin. Als rausche man kurz nach Wien. Um zu Essen. Natürlich regional, natürlich biologisch. Aber wir wissen, darauf kommt es ja nur noch am Rande an, ist es so selbstverständlich geworden wie auch der Wunsch nach Ungewöhnlichem zur Selbstverständlichkeit guter Gastronomie gehört. Hier in der Beef-Bar in Frohnleiten, im Souterrain des 20-Hauses am Hauptplatz ist das alles anzutreffen.
(Artikelbild: Beef-Bar, Food: Rainer Juriatti)

Hier geht's zur Beef-Bar.
Und hier nach Frohnleiten.

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Veröffentlicht von: Rainer Juriatti in Kulinarik, KulinarikBlog

Kommentare

Ulrike Schintler
13. Februar 2017 um 22:46

Sehr feiner Beitrag,echt gelungen!So gelungen,wie die Beef Bar selbst!

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