16. September 2017 - 1 Kommentar.

Herzkammern des Schiffs

Herzkammern des Schiffs
Besuch des Romantik Hotels Das Schiff in Hittisau
Rainer Juriatti

Der berühmte Arzt und Philosoph Albert Schweitzer meinte, dass man sein „innerliches Erleben“ auch engsten Freunden nur bruchstückhaft mitteilen könne. So geht es mir, ich gebe es zu, wenn ich über unsere Tage im Romantik Hotel Das Schiff in Hittisau schreiben möchte. Wir waren nicht das erste Mal dort. Vielmehr kommen wir immer wieder, da es uns in dieses Haus zieht. Wir sind wehmütig, wenn wir abreisen. Daheim angekommen, sehnen wir uns an diesen schönen Ort zurück. Dabei hat diese Sehnsucht nur am Rande mit dem Ort selbst zu tun.

Die Menschen sind es. Sie ziehen uns in den Bregenzerwald, die Region der sanften Hügel des Vorderwaldes genau so, wie die mächtigen Berge rund um Au und Schoppernau. Die Menschen in Hittisau schließlich. Und dann: Die Menschen im Romantik Hotel Das Schiff. Ihnen gilt unsere Sehnsucht des Wiederkommens. Das Stammhaus  wurde 1840 errichtet. Renoviert und erweitert wird bis heute. Hier stammt nichts vom Reißbrett, hier entwickelten sich Ideen immer schon Schritt für Schritt. Manchmal sitzen wir an jenem Tisch, an dem die Diözese Feldkirch beschlossen wurde. Der erste Bischof von Vorarlberg ging dort ein und aus. Und natürlich bewegen wir uns mehr noch in den Räumen der modernen Zirbensauna. Manchmal werfe ich einen Blick in den herrlichen Käsekeller. Allein dieser Raum ist eine Reise wert. Hausherr Hans-Peter Metzler hatte die Idee dazu. Auch die Idee einer Bregenzerwälder Käsestraße.

Viele Jahre ist es her, als Hans-Peter Metzler davon erzählte, man müsse die Regionalität, das Authentische und Aufrichtige deutlich in den Vordergrund stellen. Und so versammelte er Menschen um sich, die ähnlich dachten. Das ist Hans-Peter Metzler. Schritt für Schritt entwickelt er Ideen, Strategien, bringt Menschen zusammen. Schritt für Schritt geht er lange schon mit seiner Frau Toni. Deshalb ist in Das Schiff nichts vom Reißbrett, darf vielmehr ständig wachsen und sich entwickeln. Als die beiden heirateten, war der ganze Ort auf den Beinen. Zugegeben: Jedes Mal, wenn wir ankommen, begrüßen uns zunächst drei wunderbare Menschen an der Rezeption, fragen nach dem Befinden, drücken ihre Freude über unseren Besuch aus. Dennoch warten wir nur darauf, von Toni begrüßt zu werden. Sie ist eine der Herzkammern des Hauses. Mit ihr schlägt der Puls der familiären Gastlichkeit. Das ist keine Übertreibung. Sie ist permanent präsent und wir suchen nach ihr, wenn wir ankommen.

So, wie wir nach Elisabeth Metzler suchen. Als junges Mädchen, in der Hotelfachschule, da begegnete ich ihr das erste Mal. Unsere Verbindung ist bis heute stark geblieben. Mit ihr führen meine Frau und ich intensive, wertvolle Gespräche. Wir verzichten auf Floskeln und allzu bekannte Oberflächlichkeiten, die man aus anderen Hotels kennt. Hier bleibt es nicht beim Abfragen der Befindlichkeit. Elisabeth ist die zweite Herzkammer, ohne sie das Haus nicht denkbar für uns. Genau so, wie das Haus nicht ohne Mutter Erna Metzler denkbar ist. Das liegt weniger an den zwei Hauben, die sie als Küchenchefin erkocht hat. Unser Denken an Erna Metzler reicht weit darüber hinaus: Noch eine Herzkammer. Wenn wir ankommen, wissen wir sie in der Küche. Sie müssen wir nicht suchen. Oft in den vielen Jahren dachten wir daran, was wohl sein wird, wenn sie in Pension geht. Doch zugleich wissen wir, Pension ist für einen Menschen wie sie nicht denkbar. Angekettet an den Herd hat diese bewundernswerte Frau nie damit aufgehört, neue kulinarische Ideen zu entwickeln. Einer der aktuellsten Zubauten des Hauses entspringt einer Hommage an die Mutter des Hauses: Die Kinder planten und bauten das Ernele. In einem an das Haus angekoppelten Kubus kann man dem Koch bei der Zubereitung lokaler Menüs zusehen und zugleich Produkte regionaler Anbieter sowie aus dem Haus selbst erwerben. Eine geniale Idee.

Bleibt die vierte Herzkammer: Die rund 40 Mitarbeiter. Unter ihnen Menschen, die wir von Beginn an kennen. Ignaz, der Gastronomieprofi im Restaurant, und Regina, die tagsüber im Service arbeitet und abends in der Küche. Beide sind ewig schon hier. Ebenso jüngst Simon, der die Hotelfachschule absolvierte und inzwischen auch schon acht Jahre der Crew im Das Schiff angehört. Hier wird Vieles richtig gemacht, denken wir uns, als wir eines Nachts am Tisch des Bischofs sitzen, gemeinsam mit diesem Stammteam und Elisabeth. Und Anna, einer der drei Töchter des Hauses. Sie studiert. Noch. Hoffen wir. Und hoffen damit, dass sie bald zurückkehrt. Denn irgendwie ist Das Schiff für uns nur so denkbar: Als Ort einer Bregenzerwälder Familie, die Gastronomie liebt und lebt. Als Ort der Begegnung, des Gesprächs. Der unendlichen Ruhe.

Es heißt: An Wäldar ka nit jedar sin. Ja, ein Wälder kann nicht jeder sein. Es käme der Entweihung des Bregenzerwaldes gleich. Aber ein wenig zusehen dabei, wie die Wälder Wälder sind, das sei uns vergönnt. Also: Unbedingt hinfahren.

Hier geht’s zum Romantik Hotel Das Schiff.
Hier geht’s zur Bregenzerwälder Käsestraße.
Hier geht's zu Hans-Peter Metzler.

 

Veröffentlicht von: Rainer Juriatti in Kulinarik, KulinarikBlog, Text

Kommentare

Eine Antwort verfassen