9. Juni 2017 - Keine Kommentare!

Insektenfutter

Insektenfutter
aus der Reihe "Chef Days Graz"
Rainer Juriatti

Im Grunde liegt es auf der Hand: Sie benötigen so gut wie keinen Platz. Ihr Futterbedarf ist ausgesprochen gering. Wasser fast nicht notwendig, Emissionen so gut wie gar nicht messbar. Unübertrefflich ist ihre CO2-schonende Haltung. Und dann das Beste: Von einer Kuh sind rund 40% essbar, von ihnen 80%. Das jeweils Essbare besteht bei einer Kuh aus 50% Protein, bei ihnen aus 60%. Was also kann umweltschonender und zugleich gesünder sein als: Insekten.

Wie bereits berichtet, hatten mein Sohn Tonio und ich uns zwei Tage „Fortbildung“ gegönnt. Nicht zuletzt, da wir in unserer kleinen Agentur auch mit Food-Fotografie und der Kulinarik befasst sind. Wir besuchten die Chef Days, die in Graz Station machten. Lauschten den Vorträgen von Tim Raue, Stefan Marquard, dem großen Massimo Bottura und anderen Künstlern der Küche.

Snack oder Hauptgericht

Die Vorträge wurden von einer kulinarischen Messe ummantelt. Der erste Stand am ersten Tag, an den wir herantraten, präsentierte eine Schüssel mit allerlei buntem Gewirr. Insekten. Ein junger Mann begrüßte uns und lud uns ein, durchaus auch zu testen. Sofort griffen wir zu und steckten uns jeweils ein Insekt in den Mund. Es knackte und – schmeckte ausgezeichnet. Wie Nuss. Und doch auch wie Hummerchips. Aber ohne Fisch. Und auch nicht wie Kartoffel. Eben: wie Insekt.

In unserem Leben sind wir konditioniert worden. In Schweinebauchrind aus Soja habe ich darüber geschrieben: konditioniert auf Fleisch. Es prägt unseren Alltag. Essen, das ist für viele Menschen: Fleisch. In Form von Wurst, in Form von Aufstrich, in gemahlener also und faschierter, in gehackter und filetierter Form. Der Mensch, Jäger und Sammler. In unserer Kultur wird das Insekt durch den Kammerjäger ausgerottet. Wir selbst vertreiben und töten jedes Insekt, das uns in die Finger kommt. Niemals würden wir im Garten eine Heuschrecke fangen, um sie in den Mund zu stecken. Insekten gelten als unrein und verursachen Ekel.

Proteinbomben

Die Leute von Insektenessen erzählen, dass rund 1.900 genießbare Insekten bei rund zwei Milliarden Menschen auf dem täglichen Speiseplan stehen. Wie viele von uns denke ich dabei sofort an den asiatischen Basar, auf dem Skorpione angeboten werden. Wir, wir kennen Sendungen wie das Dschungelcamp, in dem Z-Promis Maden und Würmer essen und dabei das Gesicht verziehen.

Mein Sohn und ich, wir allerdings genossen ein Stück „Heimat“, als wir bei den Chef Days in eines der wunderbaren Produkte bissen: die Insekten werden in Dornbirn/Vorarlberg gezüchtet. Und weil’s so gut schmeckte, probierten wir beide noch den Buffalo- und Mehlwurm. Wunderbar.

Gerne mal was anderes: Insektenessen, der online-Shop.
Wer es hingegen vorzieht, gänzlich vegetarisch zu leben, hier geht's zu Schweinebauchrind aus Soja.
Hier geht’s zu den Bildern der Chef Days.

Veröffentlicht von: Rainer Juriatti in Kulinarik, KulinarikBlog

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