Juriatti & Die Kollektive


Die scharfzüngige dunkle Diva (Zitat einer Kundin), der Tagelöhner und Schriftsteller Rainer Juriatti
erblickte an jenem Dienstag das Licht der Welt, an dem Dürrenmatts Stück „Die Ehe des Herrn Mississippi“ in seiner dritten Fassung in Münster zur Aufführung kam: am 24. November 1964. Weiß der Teufel warum, wurde Juriatti noch am selben Tag notgetauft. Gesehen hat er das Stück nie, auch Dürrenmatt selbst hat er nie sonderlich gerne gelesen. Seine Kindheit verbrachte er auf einer Schotterstraße in der Milkaschokoladenhauptstadt Bludenz, einem Örtchen im Schatten des Arlbergmassives, wo ihn die „unermessliche Langeweile“ schließlich verrückt werden ließ, was ihn wiederum zum Film und später dann an den einsamen Schreibtisch trieb, um Schreiberling zu werden.

Bücher
Kramuri (Gedichte, 1998), Sandlandfahrt (Roman, 2000), rama suri (Erzählungen, 2002).
47 Minuten und 11 Sekunden im Leben der Marie Bender (Roman, 2008), Die gedehnte Zeit (Roman, 2010), Lachdiebe (Roman, 2012, Taschenbuch 2015), Spaghettifresser oder: Migranten im Gehege der Duldung (Essay, 2014), Strandschatten (Roman, 2015), Die werten Herren (Essay mit Theatermonolog, 2017), Die Abwesenheit des Glücks (Erzählung, 2018), Werte Henker (Monolog; 2020), Kritzelbuch (zwei Satiren: Reisen durch Absurdistan & Augenbrennen; 2020). In Arbeit: Dornenfleisch (Novelle, geplantes Erscheinungsjahr 2022).

Installationen
Historie zur Illumination von Brigitte Kowanz – Lünerseewerk Bürs/Vbg. II Medizinische Stiche und Textarbeiten – Privatklinik Confraternität, Wien II Lebenslinien – Illustration und Textarbeiten – Privatklinik Goldenes Kreuz, Wien II Wellen – Texte und Laserplatten – Privatklinik Ragnitz, Graz (das Kunstwerk wurde vom Orthopäden Dr. Rainer Gumpert im Jahr seiner Installation zerstört)  II Wellen – Holzreliefs und Texte – MRT Privatklinik Confraternität, Wien  II Arm vs. Reich – Stahlskulpturen, Katalog, Texte – u.a. für Rainbows Österreich.

Nennenswert
1996 verfilmte Juriatti Viktor Frankls Bühnenstück „Synchronisation in Birkenwald“. Das Filmdrehbuch entstand gemeinsam mit dem Begründer der Logotherapie. Der Film wurde im Frühling 2020 hebräisch untertitelt, im Israelischen Fernsehen gezeigt und wird in Yad Vashem ins Archiv aufgenommen, um ein Mal jährlich aufgeführt zu werden.

Der 2008 erschienene Roman „47 Minuten und 11 Sekunden im Leben der Marie Bender“ wurde im Jahr 2009 von Stefan Kasimir für die Bühne bearbeitet und durch das Landestheater für Vorarlberg aufgeführt. 

2020 verfasste er die Kindergeschichte "Zaubersilvie und Piratentobi", die zur Gestaltung einer "Familienbox" herangezogen wurde. Im selben Jahr entwickelte er gemeinsam mit seiner Frau eine Sternenkind-Box, die seit März 2021 jeder Frau in einem steirischen Krankenhaus überreicht wird, die eine stille Geburt zu verkraften hat. 

2021 entwickelte er ebenso gemeinsam mit seiner Frau die Idee zu einer österreichweiten "Sternenkind-Karte", die derzeit in der Finanzierungsphase steckt. Hier kann man helfen: www.mein-sternenkind.net

Entscheidende Lebensmomente hält Rainer Juriatti als (ehrenamtlich tätiger) Sternenkindfotograf bei Dein Sternenkind fest. 

2011 und 2021 erhielt Juriatti ein Arbeitsstipendium des Landes Vorarlberg.
Er ist Mitglied des Vorarlberger Autorenverbandes „literatur vorarlberg“, seit 2016 Mitglied im PEN-Club Liechtenstein und seit 2020 Mitglied der IG Autorinnen und Autoren Österreich.

Der Kollektiv Verlag
Im Frühling 2020 gründete Juriatti gemeinsam mit seiner Tochter aus tiefgreifender Fustration über die Verlagsszene in Österreich einen Buchverlag, in dem besonders die Autonomie künftig unter diesem Label publizierender Autor*innen gewahrt bleibt: Hier behalten Autor*innen ihre Rechte, der Verlag kümmert sich allein um Produktion sowie Publikmachung anvertrauter Titel und ist für die kreativ Schreibenden da – nicht umgekehrt. Germanistin (B.A.) und Kunsthistorikerin (M.A. & B.A.) Chiara Juriatti leitet seit Herbst 2020 das Lektorat und trägt gemeinsam mit Juriatti die Entscheidungen über Publikation oder Ablehnung der einlangenden Manuskripte.

Das Freitag Nachmittag Kollektiv
Als Tagelöhner ist Rainer Juriatti  für jede Arbeit zu haben (Zitat: "Wer mich bezahlt, darf mich nackt kopfüber auf dem Marktplatz aufhängen, mir doch egal.") und schließt sich unter dem Namen "Das Freitag Nachmittag Kollektiv" punktuell mit Branchenkolleg*innen zusammen, um im Bereich der Konzeption, des Textes, der Fotografie und schließlich der Leitsystemgestaltung sowie des Raumdesigns Geld zu verdienen.