13. Juni 2018 - Keine Kommentare!

Dick notieren: Petrela und Truncali

Dick notieren: Petrela und Truncali
Rainer Juriatti

Auf Frage erhalte ich eine kleine Notiz. Die Vorgeschichte dazu ist rasch erzählt: Am Samstag dachte ich, geniales Wochenendmenü, am Sonntag dachte ich, was für ein fantastisches Sonntagsmenü, am Montag dann wurde ich überrascht: Was für ein unbeschreiblicher Wochenbeginn! Und dienstags wurde endgültig klar: Hier gibt es keine Tage, kein Wochenende oder so. Also fragte ich nach dem einen Namen.

Und so erhielt ich die kleine Notiz. Zwei sind es, nicht einer. Ein Duo ermöglicht das Fantastische, das Brillante, das bislang Ungekannte: Everest Bera Petrela. Der Chef. Leandro Truncali. Der Sous Chef. Zwei Namen, die man sich gut, wirklich gut merken sollte.

Googelt man Petrela, dann landet man auf einen Facebookaccount. Keiner Gourmet-Zeitung, keiner Michelin-Plattform. Niemand – unvorstellbar – hat je über diesen Mann geschrieben. Allein Petrelas Facebookseite also tut sich auf. Frau, Kinder, Essen. Auf einen Blick liegen die Werte eines leidenschaftlichen Chefkochs blank: Frau, Kinder, Essen. Studiert hat Petrela auf der IPSAR Angelo Celletti in Formia. Das liegt südlich von Rom. Geboren und zur Schule gegangen ist er allerdings in Albanien. Und das wiederum führt direkt zu seinem Sous Chef:

Leandro Truncali

Truncali stammt aus Caltabellotta. Das liegt inmitten Siziliens. Studiert hat er sein Handwerk auf der IPSAR Alberghiero. In einem nur wenige Momente dauernden Gespräch während des Abendgeschäfts bestätigt der junge Mann all meine während des Essens angestellten Vermutungen. „Ja“, er habe sich mit Petrela „auf dem Teller“ getroffen. Hier in diesem Haus, dem Arosea im Ultental bei Meran. Die albanische Wurzel des Küchenchefs, der seit Eröffnung des Hauses hier kocht und sich ganz Daheim fühlt, verbindet sich mit der italienischen Leidenschaft des Sous Chefs. Truncali bestätigt ebenso die große Hingabe zum perfekten Bissen, zu den Kräutern aus ihren Heimatländern, zusammengeführt in den Produkten des Ultentals und – auch hier – ihren Herkunftsländern.

Everest Bera Petrela

Am nächsten Morgen habe ich Gelegenheit, mit dem Küchenchef selbst zu sprechen. Auch er bestätigt, was ich in den vergangenen Tagen dank seiner Teller erleben durfte: Mit jedem Bissen nämlich weht ein unfassbares Aroma durch Gaumen und Nase, hebt dich fort für einen Moment, mitten hinein in das sonst nicht allzu Ungewöhnliche: du spürst die Region, du gehst auf in den Aromen des fast schon Hochalpinen und bist dennoch irritiert, da die Gaumenreise nicht allein Italienisch sein kann.

Im nächsten Moment schon verfliegt das Erlebnis, und so wirst du automatisch süchtig nach dem nächsten Bissen. Tatsächlich habe ich an einem der Abende einen Teller mit Weißbrot blank geputzt. Und ja, die Aromareise wiederholt sich mit jeder Gabel, die du in den Mund schiebst. „Die Entfaltungen“, bestätigt Petrela, „müssen rasch für das nächste Erlebnis Platz machen“. Er lächelt dabei bescheiden, es scheint, als freue er sich, dass ich es erkennen konnte. Überhaupt, denke ich, steht da ein grundsympathischer junger Koch vor mir. Einer, der von sich aus sofort betont, stolz darauf zu sein, hier jeden Tag kochen zu dürfen. Und da ist es: Nicht nur das Können, auch die enorme Bescheidenheit und dabei große Kunst, sein Können täglich neu abzurufen.

Mehr, meine ich, möchte ich nicht schreiben. Jedes weitere Wort zerstört die Schönheit der Teller, die ich im Fotoalbum zusammengestellt habe: Allesamt konsumiert im Arosea, einem Haus – es sei am Rande erwähnt –, das jede Auszeit zum „Augenschmaus“ werden lässt. Raumdesign, Tellerdesign, Tagesdesign, Wohlfühldesign. Hier stimmt alles. Und die zwei Namen der Köche, die muss man sich merken. Bitte. Unbedingt merken.

Hier kochen Petrela und Truncali: Arosea im Ultental.

Veröffentlicht von: Rainer Juriatti in Kulinarik, KulinarikBlog

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