24. März 2021 - Keine Kommentare!

Hebamme legt Grundsteine

Hebamme legt Grundsteine
von Eva Sommer
Hebamme & dreifache Sternenkindmama

Vielen Menschen, so scheint es, ist nicht bewusst, dass die Nachricht eines verstorbenen, eines toten Kindes bedeute, dass dieses geboren werden musste. Oftmals ist es nur in den frühen Schwangerschaftswochen operativ möglich. Die meisten Frauen haben den Weg der stundenlangen Wehen und des Gebärens vor sich. Vielfach werden sie nicht von einer Hebamme begleitet.

Jeder Gebärenden hingegen muss eine einfühlsame und wertschätzende Begleitung durch eine Hebamme möglich sein. Aus meiner Berufserfahrung weiß ich, wie sehr die Art und Weise, wie man bei einer stillen Geburt begleitet wird, ausschlaggebend dafür ist, wie der Verlust verarbeitet wird: Auf der einen Seite gibt es die „verlassenen Frauen“ in isolierten Zimmern, die ihr Kind alleine auf die Welt bringen, auf der anderen Seite Paare, die gut begleitet eine zwar traurige, aber auch angemessen schöne stille Geburt bewältigen.

Frauen sind zu Recht stolz auf ihre Leistung, ihr Kind aus eigener Kraft heraus geboren zu haben, die Eltern betrachten ihr Kind voller Liebe, begrüßen und verabschieden es zugleich und dabei muss ihnen alle Zeit der Welt eingeräumt werden. Der gesamte Verlauf und das damit verbundene „Kliniktempo“ darf nicht von außen vorgegeben werden, hier führen allein die betroffenen Eltern Regie.

Es gibt wohl nichts Schmerzvolleres auf der Welt, als sein Baby gehen lassen zu müssen. Die Momente nach der Geburt sind einmalig und unendlich kostbar, da sie unwiederbringlich sind. Die Zeit nach der Geburt darf den Eltern von niemandem genommen werden, da das einzige, das bleibt, die Erinnerung an diese Momente ist, die von einer immensen Sehnsucht begleitet wird.

Die Begleitung einer stillen Geburt sowie der würdevolle Umgang mit dem toten Baby durch eine gut geschulte und empathische Hebamme legen den Grundstein für die Verarbeitung des Verlustes und der vielen „warum“-Fragen.

In die Zeit nach der stillen Geburt fällt auch das Faktum der körperlichen Veränderungen: Jede Mutter eines verstorbenen Kindes sollte ein Anrecht auf die Begleitung durch eine Hebamme haben. Die Frauen müssen über den physiologischen Ablauf nach einer Geburt aufgeklärt werden, brauchen Informationen darüber, warum es wichtig ist das Wochenbett einzuhalten, Tipps zu beckenbodenschonendem Verhalten im Alltag, rückbildungsfördernden Maßnahmen und individuell angepasste Übungen.

Und natürlich haben auch Frauen nach einer stillen Geburt einen Wochenfluss und viele haben auch einen Milcheinschuss, teilweise sogar dann, wenn sie ihr Baby in einer frühen Woche verloren haben. Da die meisten Frauen sehr rasch aus dem Krankenhaus entlassen werden, werden sie damit oft erst zu Hause konfrontiert. Auch dort kann Ihnen eine Hebamme beratend zur Seite stehen.

Dass eine Frau, nachdem sie ihr Kind verloren hat, nicht in einen allgemeinen Rückbildungskurs gehen möchte, ist verständlich. Deshalb bieten wir für verwaiste Mütter Einzelrückbildung und individuelle Beratung – auch online – an.

Eva Sommer, Jg. 1981, Hebammenteam Graz, 0676/3090076
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Veröffentlicht von: Rainer Juriatti in Allgemein, Konzept, Pablo

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