11. Juni 2018 - Keine Kommentare!

Vatertag

Vatertag
Rainer Juriatti

Gestern hörte ich nichts davon: Vatertag. Kein "Alles Gute". Keine SMS. Keine WhatsApp. Schon gar nicht Facebookeinträge. Nur Berge. Den Wind im Gesicht. Herrlich. In der wohltuenden Entziehung aller Einflüsse fiel mir ein alter Tagebucheintrag ein. Abends dann habe ich in meinen Notizbüchern geblättert und fand das Datum 27. April 1993.

Einen Monat noch, dann sollte ich Vater werden. Zwei Sternenkinder hatte ich schon. In diesen Tagen hörte ich von Bekannten oft, dass ich den kommenden Vatertag auch feiern könne. Dann die Notiz:

"27. April 1993. Mein Bruder trägt seine Tochter Hannah auf seinen Schultern durch den Bach. Mein Hund taucht nach Steinen. Die Sonne steht tief. Der Frühling mag keimen. Noch ein Monat, dann soll auch ich Vater werden, sagen sie. Aber ich bin doch schon einer."

An diese schmale Notiz dachte ich gestern, in den Bergen meiner Vorfahren, mit Blick auf die Paragleiter, die den Bergen des Valsugana entgegenfliegen. Und auch die Aufforderung meiner Frau vor wenigen Wochen kam mir in Erinnerung: Feiert den Muttertag. Jede Sternenkindermama hat das Recht darauf. Ja. Und wir Männer auch. Wenn wir im Stillen feiern, ist es besonders schön. Je stiller, desto heftiger ist es.

Meine Kinder haben sich gestern an meinen Wunsch gehalten und haben mich nicht angerufen. Sie haben mir diese Stille gegönnt.

Hier geht's zu den Workshops sowie Lese- und Aufführungsterminen aus "Die Abwesenheit des Glücks".

Veröffentlicht von: Rainer Juriatti in PablosBlog, Text

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