16. Januar 2023 - 1 Kommentar.

Was wir tun – Sternenkind-Petition

WAS WIR TUN
Öffentliche Petition der Sternenkindfotografierenden in der Steiermark
Einleitung verfasst von Rainer Juriatti

Mit 15. Jänner 2023 ziehen wir - Vera und Rainer Juriatti - uns aus der Organisation "DSK Dein-Sternenkind.eu" zurück. Die in Deutschland ansässige Stiftung wirft uns vor, Schuld zu tragen am Umstand, dass die steirischen LKHs seit Sommer 2022 keine Fotograf*innen mehr rufen. Sie mögen Recht haben: Wir sind zu hartnäckig, wenn es darum geht, die Sternenkindfotografierenden als Teil der klinischen Versorgung zu akzeptieren, wir sind manchen Teams sogar unangenehm. DSK hat uns Fotografierende in dieser Haltung niemals unterstützt, sondern beschränkt sich bequemerweise auf Schuldzuweisungen. Dem wollen wir uns nicht weiter aussetzen. Allerdings ziehen wir uns nur aus DSK zurück: Wir sind weiterhin im DIREKTKONTAKT (bitte anklicken) für Eltern da, denn dem Wunsch einer Patientin nach Bildern ihres verstorbenen Kindes kann sich keine Instanz dieser Welt entgegenstellen.

Diese hier öffentlich formulierte Petition soll Klarheit über unsere Hartnäckigkeit schaffen. Wir wenden uns damit an Dr. Fluhr, den Leiter des Teams der Frauenklinik in Graz, der die Macht hat, die Sternenkindfotograf*innen ab sofort wieder aktiv rufen zu lassen. Ebenso richtet sich dieser Ruf an Landesrätin Dr. Bogner-Strauß, die umgehend per Erlass eine Änderung der tristen, an das vergangene Jahrhundert erinnernde Situation herbeiführen kann:

Sternenkindfotografierende sind ehrenamtlich und zu 100% spesenfrei arbeitende Professionisten auf dem Gebiet der Fotografie verstorbener Kinder. Ihre Arbeit ist nicht vergleichbar mit der üblichen Babyfotografie und kann nicht von Hebammen durchgeführt werden, da die Arbeit der Sternenkindfotografierenden weit über jenem technischen Niveau durchgeführt wird, auf dem die von Hebammen gefertigten Neugeborenenbilder für Krankenhausdokumentationen entstehen.

Wir schreiben diese Zeilen, da uns zur Kenntnis gebracht wurde, dass in den Landeskrankenhäusern der Steiermark laut hausinterner Verordnung der leitenden Ärzte auf Anraten des psychologischen Dienstes keine Sternenkindfotograf*innen mehr "aktiv gerufen werden". Wir wissen von Betroffenen, dass ihnen die Sternenkindfotografie tatsächlich nicht angeboten wurde. Sie fühlen sich somit „doppelt gestraft“: Was andere bekommen haben, waren sie nicht wert, es auch zu bekommen.

Wahrnehmungsgräben:

Krankenhaus (KH): Sternenkindfotografierende stören, sind ein Fremdkörper.
Sternenkindfotografierende (StKiF): Wir empfinden uns als Ergänzung zur guten Betreuung – ähnlich externer Dienste wie der Seelsorge – mit dem spezifischen Auftrag, Sternenkind- und Familienbilder anzufertigen, die zumeist unter einer Arbeitsstunde machbar sind.

KH: Sternenkindfotografierende mischen sich ein.
StKiF: Wir entdecken manchmal – aus dem klinischen Alltag heraus oft unbeachtete – Kleinigkeiten, die bei Sternenkindeltern große seelische Wunden hinterlassen. Diese erlauben wir anzusprechen, nicht als Kritik, sondern im Sinne notwendiger Verbesserungen.

KH: Wir Hebammen können auch gute Fotos machen.
StKiF: Wir wissen und nehmen es in großer Demut zur Kenntnis, dass wir Fotografierenden keiner Frau dabei helfen können, ihr Kind zur Welt zu bringen, da wir dazu nicht ausgebildet sind. Hebammen hingegen sind nicht ausgebildet, adäquate Sternenkind- und Erinnerungsfotos zu machen, so sehr sie sich oft dazu berufen fühlen.

KH: Sternenkindfotografierende machen uns zusätzliche Arbeit.
StKiF: Wir wissen, dass ein Service, der von außen kommt, hohe Ansprüche an den Ablauf eines Krankenhauses stellt und versuchen, so autonom wie möglich zu arbeiten. Wir wissen allerdings auch, dass es neben der intensiven Dokumentationsarbeit ein zusätzlicher Aufwand ist, uns zu rufen und bauen darauf, dass das Wort VERANTWORTUNG größer geschrieben wird als das Wort ZEITAUFWAND.

Da wir in Summe die Ablehnung in vielen Häusern des Landes dauerhaft erfahren, fordern wir die im Land Steiermark in der Gesundheitsabteilung Verantwortlichen auf, uns dabei zu unterstützen, dass die Sternenkindfotografie zum fixen Bestandteil in den „Checklists“ jeder Geburten-, gynäkologischen und nicht zuletzt Gebärstation eines jeden Landeskrankenhauses in unserem Land wird. Ein Erlass seitens der Gesundheitsabteilung würde vielen Sternenkindeltern dabei helfen, die akute Phase ihrer traumatischen Erlebnisse durch eine „Würdigung von außen“ zu lindern: Einem Ehrenamt, welches dauerhafte Erinnerungen möglich macht.

Unterzeichnerinnen:
Diana Linnenboden Nathalie Weber, Vera & Rainer Juriatti

Hier geht's zur Drehscheibe der Hilfe für Sternenkindeltern und -angehörige:
Mein-Sternenkind.net
Und hier schließlich geht's zur Sternenkind-Bücherbox, die ebenso von den steirischen LKHs auf Order der Verantwortlichen nicht mehr ausgegeben werden darf.

Veröffentlicht von: Rainer Juriatti in Pablo, Text

Kommentare

Hannah
17. Januar 2023 um 10:58

Es ist wirklich so schade, dass es so erheblichen Gegenwind bei einem so unglaublich wichtigen Ehrenamt gibt. Die besonders Leidtragenden in dieser Situation sind ja die Betroffenen verwaisten Eltern, die vl kein erstes und letztes hochwertiges Bild von ihrem verstorbenen Baby bekommen. Für mich als Sternenmama ist das wirklich erschütternd. Hierfür gibt es keine Wiederholung, keine zweite Chance.

Ich wünsch euch ganz viel Gutes, Energie und neue Wege wirken zu können. Der Prophet im eigenen Land, zählt oft nicht. Es tut mir sehr leid, dass es euch so schwer gemacht wird. Von ganzem Herzen DANKE für euer so unglaublich essenzielles Ehrenamt, euren langen Atem und euer Engagement und entscheidende Pioneerarbeit!

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