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reich vs. arm

Eine Kunstinstallation auf Wanderschaft


Nun stehen sie, die sechs „exemplarischen Menschenpaare“ von Ristic-Juriatti, die 12 Personen repräsentieren. Jede Figur steht für zwei Menschen: Da ist beispielsweise Max, er ist fünf Jahre alt. So weit die Figur. Und dann: Max kann reich sein oder arm. Er ist zwar immer noch fünf Jahre alt, hat aber folglich zwei gänzlich unterschiedliche Biografien aufzuweisen. Jede der Figuren steht für einen gemeinsamen Namen, ein gemeinsames Alter, sogar einen gemeinsamen Gegenstand – und doch eben steht sie für einen grundlegend unterschiedlichen Lebenslauf.

Im Kunstkatalog zu den Skulpturen ist zu lesen: „Das Grazer Künstlerduo Jelena Ristic & Rainer Juriatti setzte die Intentionen der Auftraggeber (die Thematisierung des schmalen Grats zwischen Reichtum und Armut, Anm.) konzeptuell und künstlerisch um. Juriatti bearbeitete reale Lebensläufe, setzte Parallelen in Szene und schälte aus zwanzig Schicksalen zehn jeweils passende Paare. Persönliche Empfindungen wie auch subjektive Umfeldbeurteilungen der Betroffenen flossen in die Biografien ein und manifestieren sich in Paargeschichten sowie jeweils einem Gegenstand des Gebrauchs oder der tiefsten Sehnsucht. 

Was in den Biografien noch strukturiert dargestellt wird, löst sich in den Skulpturen nahezu auf: Die Trennung von arm und reich fällt beim Betrachten schwer, jeweils beide Geschlechter bilden ein Objekt, vereinen sich in Armut oder Reichtum. Jegliche Kategorisierung wird in die subjektive Betrachtung verwiesen, so, wie auch Platz für die Betrachtenden selbst bleibt: Durch ein Selfie kann jeder Mensch Teil der Installation werden und sich damit zu “arm” vs. “reich” positionieren. Ristic verlieh den Texten und Konsumgütern einen Körper, der von realistischen Umrissen ausgeht, um graduell abstrahiert zu werden. Je nach Blickwinkel der Betrachter*innen verschwinden die Figuren gänzlich, allein die auf den Fußplatten zu lesenden Kurzbezeichnungen verweisen auf ein Schicksal, das jedoch sein Gesicht gänzlich verloren hat. Somit wird die Zustandsbeschreibung arm oder reich objektiv, leer, inhaltslos.“

Zu sehen ist die künstlerische Arbeit Ristic-Juriatti noch bis 15. Mai am Hauptbahnhof in Graz. In den kommenden drei Jahren werden die Skulpturen in der Steiermark unterwegs sein. Die nächsten Stationen sind das Stift St. Lamprecht (Sommer 2021), Leibnitz (Herbst 2021), Feldbach (Herbst 2021) und Weiz (Frühjahr 2022).

Auftraggeber: Rainbows Österreich, Armutsnetzwerk Steiermark, Caritas, Fonds für Arbeit und Bildung, Familienreferat, Projekt Alleinerziehende, Referat für Diakonie im Fachbereich Pastoral & Theologie.